Schmerzhafte Leiste, Sportlerleiste oder Weiche Leiste sind ein Sammelsurium von Begriffen für eine sehr große Anzahl von verschiedenen Erkrankungen vorwiegend orthopädischer Natur
Leider erfolgt hier meist eine unqualifizierte Vermischung von völlig unterschiedlichen Krankheitsbildern verschiedenster Ursachen. Eine Standardtherapie kann es daher für schmerzhafte Leistenbeschwerden nicht geben. Eine Operation wie bei einem Leistenbruch ist daher bei diesen Krankheitsbildern keineswegs die Regel, sondern vielmehr die Ausnahme.
Es wird trotzdem weiterhin leider viel zu oft ohne Rücksicht auf die eigentliche Ursache eine Leisten Operation bei Leistenschmerzen durchgeführt. Viele Patienten haben zwar direkt nach einer – meist in offener Technik mit Leistenschnitt durchgeführten – Operation zunächst keine oder weniger Beschwerden, da während der Operation auch Leistennerven durchtrennt bzw. entfernt werden und nach der Operation eine „Schonphase“ ohne wesentliche Belastungen eingelegt wird. Nach einem individuell verschieden langen Zeitintervall stellen sich die betroffenen Patienten jedoch sehr häufig wieder bei einem Chirurgen vor und zwar mit den gleichen Beschwerden, wie vor der Operation. Der Grund ist die nicht behandelte Ursache der Leistenbeschwerden. Dr. Höllenriegel sieht derartige Fälle täglich mehrfach in seiner Sprechstunde.
Bei der sogenannten Sportlerleiste (meist Fußballer) ist im Gegensatz zum Leistenbruch der Schmerz das zentrale Symptom. Ein gleichzeitig vorliegender Leistenbruch ist die Ausnahme
Die Ursachen für den Leistenschmerz, welcher in der Regel sehr verstärkt bei Belastungen auftritt und bei Trainings-/Spielpausen meist zurückgeht, sind äußerst vielschichtig. Eine sehr subtile Untersuchung der Wirbelsäulen-, Becken- und Beinstatik inklusive der Gelenke ist genauso unabdingbar, wie eine Funktionsprüfung der Muskulatur und Sehnenansätze, welche die Leistenregion tangieren. Auslösend für die Leistenschmerzen beim Fußballer, sind starke Über- und/oder Fehlbelastungen beim Schießen mit außenrotiertem Bein, beim Grätschen und beim Sprinten mit rascher Richtungsänderung. Eine herausragende ursächliche Rolle spielen auch übertriebene oder falsch ausgeführte Muskeltrainingseinheiten und zu wenige oder falsch ausgeführte Dehnungsübungen.
Die häufigsten Diagnosen bei der schmerzhaften Sportlerleiste
Akute Sehnenansatzzerrungen/-risse oder chronische Kontrakturen (Verkürzungen) der Sehnen im Leistenbereich (Adduktor, Rectus abdominis).
Akute Muskelzerrungen/-risse oder chronische Muskelverhärtungen im Leistenbereich (Gracilis, Sartorius, Iliopsoas, Rectus femoris, Rectus abdominis).
Viele Sportler haben auch orthopädische Grunderkrankungen, welche durch den Leistungssport mit den entsprechenden starken Belastungen symptomatisch werden.
Sonstige häufige Diagnosen beim Leistenschmerz
- Beckenschiefstand
- Erkrankungen der Wirbelsäule
- Erkrankungen der Iliosakralgelenke
- Erkrankungen der Hüftgelenke
- Erkrankungen am Schambein
- Lymphknotenschwellungen oder sonstige Tumore im Leistenbereich
- Urologische Erkrankungen
- Gynäkologische Erkrankungen
Behandlungskonzept beim Leistenschmerz
Ein Behandlungskonzept kann erst nach eingehender und differenzierender Untersuchung erstellt werden. Hierzu bedarf es einer großen Erfahrung und einer seriösen Behandlungsstrategie. Insbesondere bei nicht eindeutigen Befunden ist die Konsultation eines erfahrenen Leistenbruch Chirurgen mit zusätzlichen Kenntnissen in der Orthopädie/Unfallchirurgie/Sportmedizin sehr ratsam, um unnötige Operationen zu vermeiden und eine adäquate Therapie einzuleiten. Häufig müssen diverse Fachärzte miteinbezogen werden. Die therapeutischen Maßnahmen sind entsprechend der verschiedenen Ursachen höchst unterschiedlich. Die allgemein übliche Diagnose schmerzhafte weiche Leiste sollte im medizinischen Sprachgebrauch wegen der komplexen Ursachen nicht mehr angewandt werden, sie ist schlichtweg irreführend. Das Problem Leistenschmerz muss fachlich fundiert angegangen und diagnostiziert werden und darf nicht von einem unwissenschaftlichen Marketing gesteuert sein.
